Felician Hohnloser wechselt mühelos zwischen Rollen, Genres und Spielorten – zuletzt auch im „Tatort“. In seinem Atelier im D#16 entwickelt der Schauspieler seine Figuren und findet die Beständigkeit und Struktur, die ihn erden.
Wie alles anfing
Von Felician Hohnlosers Atelier bis zu einer seiner Lieblingsstellen im Dezernat sind es nur ein paar Schritte. „Wenn man hier auf halber Treppe aus dem Fenster schaut, glaubt man kurz, in einer ganz anderen Stadt zu sein“, sagt er. Links die Mauer, geradeaus Wohnhäuser mit ihren unaufgeräumten Balkonen, dazwischen Beton und Garagen – an diesem Hinterhof sieht nichts nach Behaglichkeit oder Stillstand aus.
Auch wenn er gern in seiner Heimatstadt lebt: Die Neugier auf andere Welten und die Lust auf Verwandlung haben Felician immer schon angetrieben. „Ich war auf dem Hölderlin-Gymnasium, da hatte Schauspiel einen hohen Stellenwert“, erzählt er. Gleich nach der Einschulung meldete er sich für die Theater-AG an, wuchs mit den Jahren und Rollen, liebte die Proben, Aufführungen, auch das Lampenfieber.Nach dem Abitur war der Schritt deshalb konsequent: Er machte sein Hobby zum Beruf und ging an die Zürcher Hochschule der Künste.
Nach dem Studium kamen Engagements in Zürich und Chemnitz sowie zwei Jahren Festengagement am Staatstheater Karlsruhe. Vor zehn Jahren entschied Felician sich dann aber für die Selbstständigkeit – auch, um offen zu bleiben für Fernsehrollen und eigene Projekte. Seither bewegt er sich zwischen den Welten, nimmt mal Engagements am Theater an, dreht zwischendurch fürs Fernsehen. Zuletzt war er im November in zwei Tatort-Folgen zu sehen – in „Licht“ und in einer Hauptrolle in „Reini“. Ein weiterer Tatort ist bereits abgedreht.
Derzeit steht er wieder auf der Bühne, in einem Zwei-Personen-Stück am Theater in Bregenz. Das nächste Engagement folgt in Stuttgart und parallel laufen Castings für neue Fernseh- und Theater-Rollen. Die Arbeit, die ihn erfüllt und glücklich macht, sei allerdings nicht immer so glamourös und unkompliziert, wie sie von außen wirke, sagt Felician. Manchmal verbringt er mehrere Wochen am Stück in anderen Städten.
Und manchmal, wenn eine Casting-Anfrage kommt, wird es auch immer mal hektisch. Wie im vergangenen Sommer, mitten im Familienurlaub. „Während die anderen Ausflüge machten, saß ich in der Ferienwohnung und habe Texte gelernt“, sagt er und lacht. „Es ist kein Zufall, dass viele in diesem Beruf keine Kinder haben.“
Für Felician funktioniert die Doppelrolle jedoch gut: Mit seiner Lebensgefährtin und zwei Kindern, sechs- und zwölfjährige Jungs, lebt er in Heidelberg. Und er ist dankbar dafür, dass sich seine Energie und die vielen kleinen Schritte der vergangenen Jahre jetzt auszahlen. „Ich merke, dass die entscheidenden Leute mich sehen, gut finden und alles aufeinander aufbaut.“
Ankunft im D#16
Seit anderthalb Jahren hat Felician sein Atelier im D#16. Wenn er Texte lernt oder E-Castings aufnimmt, verbringt er hier mitunter viele Stunden. „Als Schauspieler hat man ja wenig Struktur im Alltag, Disziplin braucht es trotzdem“, sagt er. Da sei es hilfreich, zwischen Zuhause und Arbeitsplatz trennen zu können.
Und er genießt das kreative Umfeld im Zentrum. Mit den Nachbar*innen im Haus 4 haben sich Kontakte entwickelt, man hilft sich gegenseitig. „Die neuen Profilbilder, die ich neulich brauchte, hat mein Freund und Nachbar gemacht, der Fotograf Daniel Schreiber“, erzählt Felician.
Was er sich wünscht: dass Orte wie das D#16 erhalten bleiben und ihnen ein Schicksal wie das der Breidenbach Studios erspart bleibt. Das Kunst- und Kulturzentrum wurde 2023 geschlossen. „Solche Räume ermöglichen Austausch, Entfaltung und unterschiedliche Perspektiven“, sagt der Schauspieler. „Für das kulturelle Leben einer Stadt und für eine demokratische, freie Gesellschaft sind sie kaum zu ersetzen.“
Mehr über Felician Hohnloser:
Instagram: @felician_hohnloser
www.filmmakers.eu/de/actors/felician-hohnloser
www.castforward.de/members/profile/felician-hohnloser
Standort: DEZERNAT#16