Im TanzLab von Joann Ordonez finden Anfängerinnen und Profis den Safe Space, in dem sie menschlich und tänzerisch wachsen können – bewusst ohne Partner.

Ihre wahre Sehnsucht galt dem Tanz

Getanzt habe sie wahrscheinlich, bevor sie richtig laufen konnte, sagt Joann Ordonez und lacht. In ihrer großen Familie in Ecuador gehörten Tanz und Musik zu jeder Feier, auch Salsa und Bachata. Zunächst folgte Joann jedoch dem Wunsch ihrer Eltern und begann eine schulbegleitende Ausbildung zur Pianistin am Konservatorium. Dabei galt ihre wahre Sehnsucht von Anfang dem Ballettsaal nebenan. „Nach meinem Unterricht drückte ich mir dort die Nase an der Scheibe platt“, erzählt sie. „Irgendwann gaben meine Eltern nach und meldeten mich dort zusätzlich an.“

Nach dem Schulabschluss entschied sie sich dann ganz für den Tanz. Mit 18 Jahren ging sie nach Buenos Aires, damals eine Hochburg des Oriental Dance, einer modernen Form des klassischen Bauchtanzes. Parallel dazu entwickelte sie auch ihre Fähigkeiten als Tanzlehrerin weiter, trainierte später Salsa bei renommierten Lehrern und nimmt bis heute mit großem Erfolg als Solistin an internationalen Wettbewerben teil.

Platz, Licht und Freiheit in der Marlene 42

„Nach Heidelberg kam ich 2016, der Liebe wegen“, erzählt Joann. Hier unterrichtete sie zunächst an der Volkshochschule sowie im Fitness-Studio, bevor sie vor vier Jahren ihre eigene Schule für Frauen gründete, das TanzLab. Anfangs mietete sie für den Unterricht einen Raum in einer Kita an. „Ich hatte zwar tolle Gruppen“, sagt Joann. „Aber der Raum war nicht ideal, auch weil ich vor und nach dem Unterrichtet immer alles wegräumen und wieder herrichten musste.“

Mit dem großen, modernen und lichtdurchfluteten Studio, das sie vor einem halben Jahr in der Marlene 42 bezog, hat sich für die 29jährige ein großer Traum erfüllt. Statt Enge und gedämpftem Licht herrsche hier ein Gefühl von Freiheit, sagt Joann. „Wir können uns viel großzügiger bewegen und die Musik abends so laut aufdrehen, wie wir wollen.“

Die wohlwollende und unterstützende Atmosphäre im Zentrum hilft ihr, Frauen den geschützte Raum zu bieten, der ihr wichtig ist. In ihren Kursen für Salsa Lady Style, Bachata und Oriental Dance sind Frauen aller Nationalitäten, Alter, Körperformen und Fitnesslevels willkommen. Getanzt wird bewusst ohne Partner, nach einer Choreographie aus Schritten und darauf abgestimmten Armbewegungen.

Schülerinnen machen erstaunliche Entwicklung

Die Nachfrage ist groß, und auch das Interesse an anderen Tanzstilen wächst stetig. Daher bietet das TanzLab inzwischen zusätzliche Kurse und Workshops an, unter anderen in Hip-Hop und Commercial Dance. In diesen Kursen lernen die Teilnehmerinnen Moves nach Choreographien, wie sie etwa aus Musikvideos bekannt sind.

Was Joann, die neben Englisch mittlerweile fließend Deutsch spricht, am Unterrichten liebt? „In einigen Kursen begleiten wir die Teilnehmerinnen gezielt dabei, ein hohes Leistungsniveau und die erfolgreiche Teilnahme an Wettbewerben und Live Performances zu erreichen“, sagt sie. Mindestens ebenso erfüllend ist es aber, wenn sie die Entwicklung einiger Teilnehmerinnen in ihren Anfängerkursen erlebt: „Einige zweifeln zu Beginn sehr an sich, halten sich im Hintergrund“, erzählt sie. „Wenn ich sehe, dass sie dann nach wenigen Wochen mit tollem Ausdruck und viel Leidenschaft in der ersten Reihe tanzen, denke ich: Dafür mache ich das hier!“