Die Studierenden von der SRH University tüfteln im D#16 an ihrem Praxisprojekt und planen die Selbstständigkeit. Dabei machen sie vor, dass sich Videospiele inklusiv entwickeln lassen – ein Ansatz, der in der Branche noch selten ist.
Wie es anfing
Videospiele, PC, Konsole – viele Eltern der Gen Z sehen ihre Kinder abends vor dem Bildschirm sitzen und sind sich sicher, dass es dabei nur um ein vorübergehendes Hobby geht. Aber seinen Lebensunterhalt damit verbinden? Studieren? Kaum vorstellbar. Auch weil sie Vorbehalte dieser Art überwinden mussten, haben einige Mitglieder von „Last Bug Standing“ kleine Umwege auf dem Weg zu ihrem Studium des „Virtual Reality & Game Development“ genommen. Lehramt, Hair- and Makeup-Design, Informationstechnik – das Team bringt Prägungen aus ganz unterschiedlichen Erfahrungswelten mit.
Doch akademisch und praktisch haben Katarina Vrsnik, Gina Klaws, Alex Walitza, Lisa Pejić, Sade Hoskins und Lara Friedrich endgültig Fuß in der Gaming-Welt gefasst, in der sie sich immer schon wohl gefühlt haben. Und dass der Markt für Videospiele und VR-Anwendungen ein ernstzunehmender Wirtschaftszweig ist, müssen sie längst nicht mehr erklären. Die Studierenden sind nicht mehr weit von ihrem Bachelor entfernt, wissen genau, was sie wollen und setzen das gerade in ihrem Praxissemester im D#16 um.
Vom Videospiel bis zur Schlaganfall-Therapie
„Wir haben uns im Studium die Bandbreite der Fähigkeiten angeeignet, die man für die Entwicklung und Vermarktung von Games und VR-Anwendungen braucht“, sagt Katarina, die in der Gruppe für das Spiel-Design zuständig ist, also die Spielregeln aufstellt. Auch ihre Kommiliton*innen sind spezialisiert: Gina und Alex auf den künstlerischen Teil (Art) sowie Lisa, Sade und Lara auf das Schreiben der Codes (Programming). So werden aus Kreativität und technischem Know-How Produkte, mit denen sich „Last Bug Standing“ nach dem Studium – spätestens in einem Jahr – auf einen hart umkämpften Markt begeben wird.
Ihr Herz, sagen die sechs, liege bei Videospielen. „Aber wir haben auch branchenübergreifende Software im Blick, zum Beispiel für Museen, Unternehmen oder medizinische Anwendungen“, erzählt Lara. Wie etwa in der Schlaganfall-Therapie, in der Patienten mithilfe von VR-Brillen Alltagsfähigkeiten wieder trainieren und aufbauen.
Bei der Entwicklung zählen Werte
Wichtig sind dem Team die ethischen Werte, die sie verbinden. „Unser Fokus liegt auf Inklusion, Diversität und Barrierefreiheit“, sagt Katarina. „Es ist doch verrückt, dass laut Studien 40 Prozent der Menschen mit Beeinträchtigungen, die ein Spiel gekauft haben, es dann aufgrund fehlender Barrierefreiheit nicht spielen können.“ Grund kann etwa eine veränderte Reizwahrnehmung der User sein, wie bei ADHS oder Autismus. Dabei lassen sich Hindernisse wie eine zu hohe Grundlautstärke, Flickern, starke Kontraste oder eine zu aggressive Farbgestaltung leicht aus dem Weg räumen“, sagt Sade. „Das muss man nur wollen.“ Auf diesen Willen wollen die Studierenden auch bei Unternehmenspartnern achten.
Im Dezernat
Ihren Raum im D#16 hat „Last Bug Standing“ in ein wahres kleines Gaming-Studio verwandelt. Das Gefühl von Freiheit und künstlerischer Stimmung begeistert die sechs ebenso wie das Gebäude selbst. „Die urigen verschachtelten Gänge passen viel besser zu uns als es ein moderner Baukomplex könnte“, findet Alex.
Von der Nachbarschaft seien sie liebevoll und unterstützend aufgenommen worden. „Wir haben zum Beispiel den Tipp bekommen, dass wir unseren Business-Plan kostenlos von der IHK prüfen lassen können“, sagt Lisa. „Das werden wir sofort nutzen.“ So hat sich die kleine Gruppe in die große eingefunden – passend zu ihrem Namen. Mit dem Konzept eines ‚Last Man Standing‘ können die meisten etwas anfangen: Am Ende bleibt die Person übrig, die nach Rückschlägen wieder aufsteht und weitermacht. Der ,Bug‘ verweist auf dieselbe Haltung in der Softwareentwicklung – und auf die Erkenntnis, dass digitale Produkte nie endgültig perfekt oder abgeschlossen werden können. Und genau das ist okay. Denn am Ende zählt das kreative Ergebnis und die Kunst, die darin steckt.
Mehr über Last Bug Standing
Instagram: @last_bug_standing
Standort: DEZERNAT#16