Julia Knopp ist seit Jahren eine feste Größe im deutschen Dokumentarfilm. Mit ihrer Produktionsfirma und Mitarbeiterin Nicola Dahlke traut sie sich auch an kontroverse Themen heran.
Für ihren Neustart sei das DEZERNAT#16 ein perfekter Ort gewesen, findet Julia Knopp. „Das Haus zieht Freigeister an, die eine freundlich-gelassene, sehr tolerante Grundstimmung verbreiten“, so die Regisseurin und Produzentin. Hier findet sie den nötigen Spielraum für ihre Filmideen und den Ansporn, sie umzusetzen.
Selbstständig arbeitet die studierte Fernsehjournalistin schon seit 2017. Zunächst realisierte sie als Teil einer zweiköpfigen Produktionsfirma, der „filmkombüse“, ihre Reportagen und Dokumentationen in Mannheim, später in Heidelberg. Nach der Corona-Zeit und der Geburt ihres zweiten Kindes entschied sich Julia jedoch für einen Neuanfang: Heute führt sie ihre eigene Produktionsfirma „Donkey Ground Films“.
Allein arbeitet sie allerdings auch jetzt nicht. An ihrer Seite ist Nicola Dahlke, die als Quereinsteigerin zum Film gekommen ist. Dass beide am Eselsgrund leben – daher der Firmenname – ist nur eine ihrer vielen Gemeinsamkeiten. „Uns verbindet eine große Neugier auf Menschen und ihre Geschichten“, erzählt Julia. Als Soziologin und durch ihre lange Berufserfahrung in der Kulturszene Heidelbergs, bringe Nicola unter anderem ein feines Gespür für Protagonist:innen mit. „Ihr Fingerspitzengefühl und ihre Fähigkeit, Menschen aufzuschließen, prägt auch klar unsere aktuellen Produktionen.“ Gleichzeitig sammelt Nicola zunehmend Erfahrung in der praktischen Filmarbeit.
Seit der Neugründung ist Julia wieder regelmäßig im Fernsehen vertreten. Eine dreiteilige Doku-Serie lief kürzlich in der ZDF-Reihe „37 Grad“. Der Titel: „Young Sex – Wie liebt die Gen Z?“. Sechs junge Menschen sprechen darin über Liebe, Sex und verschiedene Lebensentwürfe. Bei solch sensiblen Themen seien Zurückhaltung und Respekt im Umgang mit den Protagonist:innen entscheidend, sagt Julia. „Wenn sie vor unsere Kamera treten, müssen sie sich darauf verlassen können, dass sie bei uns in guten Händen sind.“ Gleichzeitig gilt es für die Produzentin aber auch, Distanz zu den Interview-Partner:innen zu wahren und deren Haltung und Agenda nicht ungeprüft zu übernehmen.
Und wenn es Kritik aus der Zuschauerschaft gibt? „Die nehmen wir immer ernst und arbeiten beständig daran, noch besser zu werden“, sagt Julia. „Wenn vor allem homophobe und rassistische Stimmen laut werden, zeigt uns das aber auch, dass wir etwas richtig machen.“
An solchen Maßstäben richten Nicola und Julia auch ihre kommenden Projekte aus. Ein größeres haben sie gerade abgeschlossen, das nächste ist in Vorbereitung. Auf die Recherche folgt die Produktion – eine Phase, die den Frauen jedes Mal aufs Neue viel abverlangt. „Manchmal sind wir wochenlang unterwegs, weil wir tags und nachts, oft auch an den Wochenenden drehen“, erzählt Nicola.
Spätestens wenn ein Film fertig ist, relativiert sich jedoch die Anstrengung. Hinzu kommt die Resonanz: „Young Sex“ hat eine enorme Reichweite erzielt, für Julia ein Zeichen dafür, dass ihre Arbeit Menschen berührt. Gleichzeitig brauchen solche Projekte einen Gegenpol: Den Ausgleich zum dichten Arbeitsrhythmus und freien Raum für neue Ideen finden Nicola und Julia im D#16. „Spätestens, wenn man zu Katha in die Leitstelle kommt, fällt jede Anspannung von einem ab“, sagt Julia. „Das ist unser ganz eigener kleiner Entspannungsraum.“
Mehr über Donkey Ground Films
Instagram: @donkeygroundfilms
www.donkeyground.de
Standort: DEZERNAT#16