Am Anfang ihres Berufsweges standen Code, Pixel und Polygone. Doch heute arbeiten Sam Rassy und Juliana Kralik als Illustratoren – und landen mit ihren Kinderbüchern einen Erfolg nach dem anderen.
Kennengelernt haben sich Sam und Juli während ihres „Animation and Game“-Studiums, das für die Entwicklung virtueller Spiele und Animationsfilme ausbildet. Schnell war klar: Die beiden brannten weniger für die technischen Aspekte des Berufs, als vielmehr den gestalterischen. „Uns hat vor allem das Entwickeln und Zeichnen der Spielcharaktere Spaß gemacht“, sagt Sam. Was der 29-jährige jedoch auch feststellte: Seinen Figuren hätte er gern mehr Farbe, Charme und Witz verliehen, als es im Medium der virtuellen Spiele gefragt war.
Nach dem Abschluss trennten sich ihre beruflichen Wege zunächst. Während Juli eine Stelle in einem renommierten Studio der Spielebranche fand, ging Sam einen anderen Weg: den der Illustration für Kinderbücher. Der Einstieg in die Branche gelang ihm über Ausdauer und Eigeninitiative: Er schickte seine Entwürfe an Verlage, schloss sich Netzwerken an, bat etablierte Profis und seine Instagram-Follower um Feedback. „Ich bin sehr robust, was Kritik und auch mal Zurückweisung angeht“, sagt der Illustrator.
Raketenstart für Juli
Als ihr Gaming-Studio in wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser geriet, bestärkte Julis Netzwerk sie darin, ebenfalls den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen – und sich der Buchillustration zuzuwenden, die sie schon lange begeisterte.
„Ich hatte viele Ideen im Kopf und wollte sie endlich umsetzen“, erzählt die 28jährige. Innerhalb kurzer Zeit stellte sie Portfolio und Businessplan, bewarb sich für einen Gründungszuschuss – und erhielt ihn. Danach, sagt Sam, habe sie „einen echten Raketenstart hingelegt“. So kreierte sie etwa für den Oetinger-Verlag ein Pappbilderbuch für Kleinkinder, das sich zu einem großflächigen Spieleteppich ausklappen lässt. Und nach mehreren weiteren Projekten veröffentlichte der renommierte Verlag ars:edition ein von ihr illustriertes Buch („Ein Einhorn namens Oktober“), das derzeit in mehrere Sprachen übersetzt wird und dessen zweiter Band bald erscheint.
Auch in Sams Regal stehen sehr erfolgreiche Bücher. Und die klassische „Kann-man-davon-Leben-Frage“ wird ihm nur noch selten gestellt. Die Bandbreite seiner Arbeiten ist groß: Pixi- und Bilderbücher, Brettspiele und Pappbilderbücher erscheinen mittlerweile in großen Verlagen. Einige von ihnen hat er selbst geschrieben, mit dem Anspruch, auch solche Kinder zu erreichen, die nicht immer leicht für das Lesen zu gewinnen sind – etwa Jungs. „Viele haben keine Geduld für dicke Schinken mit wenigen Bildern“, sagt Sam.
Bei seinen Lesungen und Zeichenworkshops zeigen sie den größten Spaß an jenen reich illustrierten Büchern, in denen freundliche Helden wilde Abenteuer erleben – und viel Quatsch machen (z. B. „Monster-Moni“). Ein von Sam illustriertes Buch, das für alle Kinder spannend ist, aber gezielt Kinder mit ADHS anspricht, ist auch darunter („Walli und der Wirbelwind“, CalmeMara Verlag). Und im Herbst erscheint ein neues Werk, ein sogenannter Comic-Roman, in dem Bild und Text noch enger ineinandergreifen.
Gleichgesinnte im DEZERNAT#16
Fünf Jahre lang haben Juli und Sam, die auch privat ein Paar sind, gemeinsam in ihrer Wohnung gearbeitet: erst für das Studium, später an ihren beruflichen Projekten. Dann machte eine Nachbarin sie auf einen Instagram-Post des DEZERNAT#16 aufmerksam. „Endlich aus den eigenen vier Wänden herauskommen – wir waren sofort begeistert und haben uns beworben“, erzählt Juli. Im Sommer bezogen sie dann ihr Atelier im Kreativwirtschaftszentrum, sitzen dort nebeneinander, arbeiten aber an unterschiedlichen Projekten. „Das war genau der richtige Zeitpunkt, unsere Komfortzone zu verlassen und in dieses kreative Milieu einzutauchen“, ist Juli sicher. Es sei ein tolles Gefühl, morgens in den Raum zu kommen, mittags Katha und so viele andere Gleichgesinnte in der Leistelle zu treffen. „Die meisten haben ähnliche Interessen und Erfahrungen wie wir“, sagt Sam.
An der Zukunft ihrer Arbeit zweifeln beide nicht. „Kinder sind die ehrlichsten Leser und Leserinnen“, sagt Sam. „Sie melden sofort zurück, wenn Text und Bilder sie nicht erreichen.“ Das wissen auch die großen Verlage. „Vor zwei Jahren erschien die Neuauflage eines Kinderromans, dessen Cover mit KI-Unterstützung erstellt war“, erzählt Juli. „Das hat in der Verlagswelt ein regelrechtes Erdbeben ausgelöst.“ Viele Verlage positionierten sich anschließend klar für die Zusammenarbeit mit Illustrator:innen und ihre persönliche Handschrift. Denn nur so lassen sich Geschichten so erzählen, dass sie Kinder berühren und zum Lachen bringen.
Mehr über Juliana und Sam
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