Der Masterstudiengang, den Felicia am Campus Idar-Oberstein der Hochschule Trier absolvierte, ist international einmalig. Studierende aus aller Welt kommen dort zusammen, als deutschsprachige gilt man in der Edelstein-Stadt fast als Exot. Seit März hat sie ihr Atelier im DEZERNAT#16 bezogen – ein Ort, der für sie Rückzug und Austausch gleichermaßen bedeutet.

Wie alles anfing

Zeit ist ein wichtiger Faktor für Felicia. Am Anfang ihres Studiums im Bereich der Schnittstelle von Bildender und angewandte Kunst brauchte sie diese zunächst, um die Werkstätten und Werkzeuge der Hochschulen zu erkunden. Das Studium setzt eine handwerkliche Ausbildung voraus, während andere Studierende Goldschmieden oder Schreiner lernten, entschied sich Felicia für Textil und lernte die Maßschneiderei. Sie verbachte Auslandssemester an der Estonian Academy of Arts sowie an der HDK-Valand Academy of Art and Design, Gothenburg. Der Wunsch, sich mit anderen Kulturen zu verweben, führte sie zum weltweit einzigartigen Master-studiengang „Gemstones and Jewellery“ an der Hochschule Trier, Campus Idar-Oberstein.

Denn Studierende aus aller Welt kommen in die Edelstein-Stadt – als deutschsprachige war Felicia dort fast eine Ausnahme. 2019 schloss sie den Master of Fine Arts mit Auszeichnung ab. Danach blieb sie noch einige Monate in Idar-Oberstein, wo sie sich auch mit Werkzeugen und Ausstattung für ein eigenes Atelier eindecken konnte. Es folgten Stationen in Mannheim; das Atelierstipendium der Stadt ermöglichten ihr ein großzügiges Atelier auf der Friesenheimer Insel sowie mehrere internationale Ausstellungen und Arbeitsaufenthalte. Im Februar 2025 trat Felicia ihr erstes gefördertes Artist-in-Residence-Stipendium in Baltimore, USA, an. Aktuell ist sie die erste Alumna des Campus Idar-Oberstein, die das Landesstipendium Rheinland-Pfalz an der Cité internationale des arts in Paris erhalten hat.

Paralleles Standbein

Parallel ist sie in der akademischen Lehre tätig: Sie unterrichtet an der Hochschule Trier und war zuvor zwei Jahre lang als akademische Mitarbeiterin an der Fakultät für Gestaltung in Pforzheim in die Lehre eingebunden. Darüber hinaus hielt sie Vorträge, unter anderem in New York (USA), Barcelona (Spanien) und Legnica (Polen).

Auf den Zugfahrten zwischen Wohnort und Hochschule häkelte sie über zwei Jahre hinweg kleine textile Stücke, die sie später zu einer großen Arbeite zusammensetzte – ein „Zeitvlies“, das exemplarisch zeigt, wie Zeit, Material und Prozess in ihrer künstlerischen Praxis miteinander verwoben sind.

Ankunft im Dezernat

Seit März 2025 ist sie Teil des DEZERNAT#16 geworden – eine Entscheidung, die ganz natürlich nach einem Besuch bei einer Freundin fiel, die dort bereits ihr Atelier hatte „Als ich ihr bei der Vorbereitung einer Ausstellung half, spürte ich die besondere Atmosphäre dieses Ortes. Hier darf man anklopfen, wenn Worte gesucht werden, oder sich zurückziehen, um die Stille zu bewahren und die Leere auszuhalten“ – ein wichtiger Teil ihres Schaffensprozesses. Für Felicia ist das Atelier ein geschützter Raum des Erschaffens, in dem Zeichnungen, Skulpturen und körperbezogene Objekte zumeist aus Stein Gestalt annehmen. Workshops und Kurse hält sie bewusst außerhalb, um die Ruhe ihres Ateliers zu bewahren. Ihre Arbeiten werden über Galerien in Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Großbritannien vertrieben – Kanada kommt bald dazu.

Die Zukunft

Mit dem Start im DEZERNAT#16 begann für sie eine Phase des Übergangs: Ihr zweijähriges Mentoring-Programm als Mentee der Bildhauerin Sabine Kühnle im Rahmen des Kunst-Mentorings, einem Programm des Kulturbüros Rheinland-Pfalz, endete im Januar.

„Meine Prozesse sind eng miteinander verwoben: Ich baue auf, trage ab. Aus dem künstlerischen Dialog mit Material und Zeichnung entstehen flüchtig anmutende Zeitzeugnisse – Momente des Verweilens und Wirkens. Gleichzeitig spüre ich einen sanften Drang, etwas zu bewahren und es doch fließen zu lassen. Ich bin neugierig, wie ich mich im DEZERNAT#16 weiterentwickeln werde.“

Den Kontakt zu Felicia findet ihr im Branchenbuch