Im Studio Kritzel Kratzel finden Kinder durch freies Experimentieren ihren Weg zur Kunst. Neben Pinsel und Händen brauchen sie dafür auch mal Bohrmaschine oder Fliegenklatsche.

Auf den ersten Blick könnte das Studio Kritzel Kratzel ein normales modernes Künstleratelier sein. Durch die Fenster fällt Licht in den hohen Raum, eine ganze Wand zeigt ein expressives Spiel aus Farben und Formen. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt Kinderstühle und -tische sowie viele Gips- und Tonfiguren auf dem niedrigen Regal. Dann ist da noch die Bohrmaschine, in dem statt des Bohrers ein Pinsel steckt. „Eine Fünfjährige aus dem letzten Kurs wollte ausprobieren, ob man so malen kann“, sagt Maria Paez und lacht. „Das Ergebnis: ja, kann man.“

Maria Paez nennt ihr Studio in der Marlene 42 einen Erfahrungsraum. Hier malt die Künstlerin ihre eigene Bilder und gibt Kreativkurse für Kinder, in denen fast grenzenlos experimentiert werden darf. Das ist Teil ihres pädagogischen Konzepts. „Ich arbeite bewusst prozessorientiert und ohne Vorlagen“, erklärt sie. Die Kinder sollen eigene Entscheidungen treffen, Selbstwirksamkeit erfahren und ihren eigenen ästhetischen Ausdruck entwickeln können. „Dafür stelle ich ihnen die unterschiedlichsten Materialien und Utensilien zur Verfügung, begleite und unterstütze sie“, sagt sie. „Aber ich bewerte nicht.“

Erfahren, was Experimentieren mit Kunst zu tun hat

Als Künstlerin und studierte Pädagogin bietet Maria Paez hier Möglichkeiten, die Kindergarten, Schule und Eltern verständlicherweise nicht bieten können. Wer möchte, malt auf großen Papierbahnen, hantiert am Nachbartisch mit Gips oder Ton, Sand oder Stoff – und findet an manchen Tagen eben heraus: Was entsteht, wenn der Pinsel in der Bohrmaschine steckt? Oder die Farbe mithilfe der Fliegenklatsche an die Wand gelangt?

Über die Kunstwerke spricht Maria mit den Kindern. Zum Beispiel neulich über das Wandbild eines Vierjährigen. „So ähnlich wie du heute hat auch ein ganz berühmter Mann gemalt“, sagt sie dann zum Beispiel „Der hieß Jackson Pollock.“ Ganz nebenbei erfahren die größeren Kinder so auch, dass das, was sie tun, etwas mit Kunst zu tun hat und dass diese auch ein Beruf sein kann.

Manchmal erzählt Maria dann auch von sich selbst. Dass sie schon als Jugendliche in Darmstadt gemalt hat, damals Begabtenförderung erhielt und später begann, ihre Arbeiten auszustellen. Und dass es ihr Spaß macht, ihre Leidenschaft nun weitergeben zu dürfen. Gelegenheit dazu hat sie reichlich: Seit einem Jahr kommen wöchentlich insgesamt 50 Kinder in Marias Kurse. An den Wochenenden gibt sie Workshops und Kindergeburtstage. Ihr „Generationen-Atelier“ besuchen ganze Familien, auch Großeltern. Werbung habe sie für ihre Angebote nie gemacht, sagt sie und lacht: „Der Elternfunk funktioniert hervorragend“.

Der soziale Ansatz der Marlene passt zu ihrem Konzept

Was Maria besonders freut: „Mit meinem Konzept erreiche ich auch Kinder, die in gängigen Formaten manchmal anecken.“ Die Schüchternen, aber auch diejenigen mit besonders viel Energie finden im Studio Kritzel Kratzel die Sicherheit und den Freiraum, selbst zu entscheiden. Auch viele Jungs finden so den Weg in ihre Kurse.

Dass sie jetzt in der Marlene 42 aktiv sein kann, deren sozialer Ansatz so gut zu ihrem Verständnis von Kunst und Bildung passt, empfindet Maria Paez als bereichernd. „Ich freue mich auch, dass frühkindliche Bildung hier als Kulturarbeit wahrgenommen wird“, sagt sie. „Das ist gesellschaftlich gesehen ein Riesenschritt.“ Wieviel die Umgebung dabei ausmacht, hat sie selbst erlebt. Eine Zeit lang gab sie ihre Kurse in den Kitas, in denen sie als Erzieherin arbeitete. Doch dort waren die Möglichkeiten begrenzter. Heute hat sie Platz, Freiraum und vor allem die Freiheit für ihre eigenen und all die Ideen ihrer kleinen Kursteilnehmer:innen.  

Mehr über Maria Hainke
www.studio-kritzelkratzel.de
Instagram: @studiokritzelkratzel
Standort: MARLENE 42