Pädagogische Arbeit, Handwerk und Design – im D#16 bringt Nikolas Becker verschiedene berufliche Welten zusammen. Und genießt dabei eine Tageszeit ganz besonders.

Den Anfang machte Nikolas vor einigen Jahren, wie viele Bewohner des DEZERNAT#16 es kennen: mit einfachen Mitteln, an einem improvisierten Platz – und ohne Geschäftsplan in der Schublade. „Ich spiele Schlagzeug in der Band Liotta Seoul, und unsere Merchandise-Artikel haben wir lange mit einem Freund zusammen gesiebdruckt“, erzählt er. Irgendwann wollte Nikolas herausfinden, ob er T-Shirts und Baseball-Caps auch selbst per Stickmaschine mit dem Bandlogo versehen konnte. Es funktionierte, und sein Erfolg sprach sich herum. Bald kamen die Aufträge anderer Bands hinzu, und der improvisierte Kellerraum, in dem Nikolas seinen Arbeitsplatz eingerichtet hatte, wurde schnell zu klein und zu dunkel.

Dass im August letzten Jahres ein Raum im DEZERNAT#16 frei wurde, kam für den 31-jährigen deshalb genau zum richtigen Zeitpunkt. „Ich bin unfassbar dankbar, dass ich ihn bekommen habe“, sagt er. Schließlich geht es bei seiner Arbeit um Farben, Stoffe, Feinheiten und Fingerfertigkeit – da spielt Licht eine entscheidende Rolle. „Außerdem hat hier endlich alles seinen Platz, und ich konnte mich schon etwas vergrößern.“

Von der Auftragsarbeit zum eigenen Entwurf

Mittlerweile bestickt Nikolas zwischen 30 und 300 Mützen, T-Shirts, Pullis und Hemden pro Auftrag. Seine Kunden sind längst nicht mehr nur Bands, sondern auch Cafés und Kneipen – viele aus der Region, manche von weiter her. Und er setzt nicht nur um, was andere bestellen, sondern entwirft mittlerweile auch Logos, experimentiert neu mit Farben und Materialien. So oft es geht, arbeitet er auch nachhaltig mit Second-Hand-Kleidung oder Taschen. Eigene Entwürfe verkauft er auf Märkten. Aus dem improvisierten Anfang ist ein kleines Unternehmen geworden.

Das große helle Atelier in Haus 1 teilt sich Nikolas Becker mit der Schneiderin Isabella Grandy und der Modedesignerin Melle Munz. Beide produzieren nicht nur Kleidung, sondern geben ihre Kunst auch in Workshops an Kinder, Jugendliche und Erwachsene weiter. Wenn dort mal zusätzlicher Unterstützungsbedarf besteht, springt Nikolas schon mal ein – wie etwa in der vom Bildungsministerium veranstalteten „Langen Nacht der Jugend“ im vergangenen Jahr. Das passt zu ihm: Es macht ihm Spaß, andere Menschen für die Arbeit mit Textilien zu begeistern. Und den Umgang mit Kindern und Jugendlichen kennt er aus einem anderen Teil seines Berufslebens. Neben seiner Selbstständigkeit hat der Sonderpädagoge noch einen Teilzeitjob in der pädagogischen Nachmittagsbetreuung an einer Grundschule.

Begeisterung für Textilarbeit weitergeben

An einem Tag in der Woche unterrichtet er zudem Schülerinnen und Schüler in Schlagzeug. Für diesen Unterricht und für seine Proben hat er seit April auch einen Raum im Keller des DEZERNAT#16. Damit für seine Stickarbeiten trotzdem genug Zeit bleibt, beginnt sein Arbeitstag im Atelier meist früh. „Ich bin oft um acht Uhr oder früher am Morgen im Atelier und erlebe dann mit, wie das Zentrum um mich herum langsam aufwacht“, sagt er. „Diese erste Stunde mag ich besonders.“ Vielleicht ist es auch diese Mischung, die für Nikolas Becker den Reiz des Ortes ausmacht: arbeiten, ausprobieren, anderen begegnen. „Das Zentrum ist ein toller Raum der Entfaltungsmöglichkeiten“, sagt er. Für Heidelbergs Kreativ-Szene wünscht er sich noch weitere Orte dieser Art.

Mehr über Nikolas Becker
Instagram: @stickolas.4k
Standort: DEZERNAT#16