Nach unterschiedlichen beruflichen Stationen hat Thilo Seidel seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. In der neuen Werkstatt im DEZERNAT#16 verwandelt er unterschiedlichste Materialien in unverwechselbare Schmuckstücke.

Wie alles anfing

Dass sein Lebensweg mehrere Umwege, Gabelungen und Neuanfänge aufweist, sei kein Zufall, sagt Thilo Seidel. „Ich hatte beruflich nie einen Masterplan. Das, was gerade vor mir lag, hat sich immer richtig angefühlt.“ So verließ er vor dem Abitur die Schule, lebte zehn Jahre lang von unterschiedlichen Jobs, unter anderem in einem Backpacker Hostel und auf einem Gestüt, spürte aber nach der Geburt seines Sohnes, dass er für ein anderes Leben bereit war. Also holte er die Hochschulreife nach, studierte Wirtschaftsinformatik und arbeitete acht Jahre bei SAP.

Dann kam die Corona-Zeit, und Thilo merkte: Die Rationalität seines Berufs passte nicht mehr gut zu ihm. „Das Interesse an unterschiedlichen Materialen und an dem, was man aus ihnen erschaffen hat, hatte mich immer schon begleitet“, sagt der gebürtige Stuttgarter. Nun sollte aus dieser Leidenschaft ein Beruf werden.

Wenn er an seinem Werktisch sitzt, findet Thilo trotz seiner jahrelangen Erfahrung immer wieder von neuem heraus: Wie lassen sich Messing und Silber, Holz oder Edelsteine so formen und verbinden, dass jedes Schmuckstück seine eigene Geschichte erzählen kann? Wie verändern sich die Einzelteile gegenseitig? Welche Spannung entsteht, wenn man sie kombiniert? „Jeder Anhänger, Ohrring oder Ring entsteht auf diese Weise nur einmal und lässt sich nicht mehr nachbilden“, sagt der 46jährige.

Allerdings tauchen bestimmte Leitmotive in seinen Schmuckstücken immer wieder auf, wie etwa Runen und Symbole aus der Mythologie. „Ich bin ein spiritueller Typ“, sagt Thilo. „Ich glaube, dass in jedem meiner Stücke eine bestimmte Energie, etwas Magisches verbleibt.“ Nach seinem Beruf gefragt, nennt er sich deshalb schmunzelnd auch lieber Schmuckalchemist statt Goldschmied.

Ankunft im DEZERNAT#16

Der Raum, den Thilo im Mai im D#16 bezogen hat, passe perfekt zu ihm, findet er. „Er ist nicht glattgebügelt, hat sich seine Ecken und Kanten bewahrt“. Dass nicht jede Steckdose zuverlässig funktioniere und manches Mobiliar improvisiert ist, hat er bewusst so belassen. Auch der Blick auf die McDonalds- und Bauhaus-Werbung auf dem gegenüberliegenden Gebäude sowie auf die vorbeiratternde Straßenbahn verleiht ihm das Gefühl von Urbanität, das seine Kreativität antreibt.

Unter der Woche erschafft er hier die Schmuckstücke, die er dann am Wochenende verkauft – auf Kunsthandwerkermärkten, Flohmärkten, Festivals und im Winter auch auf Weihnachtsmärkten. „Anders als zu Hause kann ich hier so viel und so lange hämmern, löten und schleifen wie ich will“, sagt er. „Auch früh morgens oder spät am Abend. Das ist ein großartiges Gefühl.“

Für die Zukunft wünscht sich Thilo, in seinem Raum mehr individuelle Auftragsarbeiten zu entwickeln und neue Vermarktungskanäle zu erschließen. „Und ich freue mich darauf, die spannenden, kreativen Menschen um mich herum noch besser kennenzulernen.“

Kontakt
Thilo Seidel
Instagram: @ryo_nature_art
Standort: DEZERNAT#16